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Versicherungsrecht

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Versicherungsrecht - Sind Versicherungsmakler-Apps die Zukunft?

Der Abschluss von Versicherungsverträgen über das Internet ist mittlerweile umfassend möglich. Das Internet nutzen Kunden, die auf den klassischen Vertriebswegen nicht oder nur schwer erreichbar sind. Der Einsatz moderner Techniken bietet mittlerweile auch beim Vertragsabschluss über das Internet grundsätzlich ausreichende Möglichkeiten, um den Anforderungen an die Beratungspflicht des Versicherers und des Vermittlers (§§ 6, 60, 61 VVG) gerecht zu werden. Hierzu zählen insbes. Pop-up-Fenster, Fragetools, Instant-Chat-Funktionen sowie Telefon-Hotlines.

Der neueste Trend sind Versicherungs-Apps für Mobiltelefone von start-up-Unternehmen (sog. FinTechs oder InsurTechs), die mit kostenloser Online-Verwaltung der bestehenden Versicherungsverträge und teils auch mit Online-Beratung zum Versicherungsbedarf werben. Sie wollen ein Maklermandat erlangen, einschließlich der Vollmacht, bestehende Verträge zu beenden. Dabei erfolgt bis-weilen die gem. § 11 Absatz 1 VersVermV beim ersten Geschäftskontakt zu erteilende Information nicht in der gebotenen Weise. Kritisch zu sehen sind auch Haftungsausschlüsse für Schäden, die dem Versicherungsnehmer dadurch entstehen, dass er die Original-Versicherungsunterlagen einschließlich der Police nicht aufbewahrt. Ein solcher Ausschluss steht im Widerspruch zu Werbeaussagen, die eine vollständig papierlose Verwaltung der Versicherungsgeschäfte versprechen.

Immerhin gestattet § 3 Absatz 1 VVG die Übermittlung des Versicherungsscheins in Textform, wodurch sich das Verlustrisiko im Vergleich zu einer Urkunde reduziert. Problematisch ist weiter eine Klausel, wonach die digitale Unterschrift (etwa auf einem Unterschrifts-Pad) – die anders als die elektronische Form mit qualifizierter Signatur nach dem SignG70 gem. § 126 Absatz 3, 126 a BGB der Schriftform gemäß § 126 BGB nicht genügt, der Schriftform gleich stehen soll. Mit einer solchen Gestaltung lassen sich die halbzwingenden Schriftformerfordernisse etwa für den Verzicht auf Beratung (§ 6 Absatz 3 VVG) oder auf vorherige Information (§ 7 Absatz 1 Satz 3 Halbsatz 2 VVG) sowie für die Einwilligung der Gefahrperson in den Abschluss einer Lebens- oder Unfallversicherung (§§ 150 Absatz 2 Satz 1, 179 Absatz 2 Satz 1 VVG) nicht wirksam abbedingen.

Sieht man von derartigen Mängeln in der rechtlichen Ausgestaltung ab, so bieten Versicherungsmakler-Apps gegenüber dem konventionellen Maklergeschäft, aber auch gegenüber computerbasierten Vergleichs-Plattformen den Vorteil, dass damit Kundenkreise für eine Vorsorge durch Versicherung angesprochen und interessiert werden können, die auf den anderen Wegen nicht oder nur schwer erreichbar sind. Darin liegt keine Verdrängung, sondern eine innovative Bereicherung des Maklergeschäfts, die zugleich auch dem eingangs angesprochenen gesamtgesellschaftlichen Interesse an einer Stärkung individueller Vorsorge nutzt.

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